Abschied einer Grande Dame

Weser-Kurier 4.11.17

Die Erfolgsstute Florida von Dressurreiterin Nadine Husenbeth geht 18-jährig in Rente

Bremen/Sottrum.Eines der erfolgreichsten deutschen Dressurpferde verabschiedet sich vom Grand-Prix-Sport. Die 18-jährige Fuchsstute Florida, die 2016 zu den acht besten deutschen Dressurpferden zählte, geht in Rente. Ein bisschen Wehmut schwingt mit, sagt ihre Reiterin, Nadine Husenbeth aus Sottrum. Aber auch Freude über das Erreichte: Seit fast sechs Jahren sammelt das Erfolgsduo Schleife um Schleife.

„Florida ist ein Wahnsinnspferd, einfach gigantisch“ – Nadine Husenbeth, die für den Reitclub Sankt Georg zu Bremen startet, gerät ins Schwärmen. „Flo hat immer alles gegeben im Viereck, ich konnte mich total auf sie verlassen. Manche Pferde haben viel Talent, zeigen aber nicht alles. Flo hatte die richtige Einstellung: Flo wollte immer“, sagt die 24-Jährige. Die Stute wird nun langsam abtrainiert und behutsam auf den Ruhestand vorbereitet. Den Gedanken, Florida decken zu lassen, hat Familie Husenbeth verworfen. „Dann hätten wir sie aus der Hand geben müssen, und das wollten wir nicht.“ Florida wird also auf dem Grundstück der Husenbeths in Sottrum bleiben und sich langsam an ihr neues Leben auf der Weide gewöhnen.

Floridas Besitzerin Helga Steves hatte die talentierte Fidermarktochter den Husenbeths vor etwa zehn Jahren zur Verfügung gestellt – mit dem ausdrücklichen Wunsch, dass die Rheinländer Stute von Klaus Husenbeth geritten werden soll. Das Pferd zeigte großen Ehrgeiz und entwickelte sich rasant. Ende 2011 saß erstmals Nadine Husenbeth im Sattel. Zuvor war Florida vom Vater auf den Grand-Prix-Sport vorbereitet worden und bereits unter ihm siegreich gewesen. Die Entscheidung, die Stute Tochter Nadine zu übergeben, hat niemand je bereut.

Die Harmonie zwischen Pferd und Reiterin stellte sich bald ein. Nach nur einem Jahr verbuchte das Duo erste Erfolge. „Flo und ich haben uns in den Grand-Prix-Sport eingearbeitet und uns konstant immer weiter verbessert“, sagt Husenbeth. Schon bei ihrem ersten großen Auftritt 2012 in Zierow an der Ostsee platzierten sich die beiden ganz vorn. „Ich hatte damals mit meinem Vater abgemacht, dass er mir bei meinem ersten Grand-Prix-Sieg einen neuen Sattel schenkt – auf den musste ich nicht lange warten.“ 2013 folgten der Sieg beim Piaff-Förderpreis, der wichtigen Turnierserie für junge U25-Dressurtalente, der Auftritt beim U25-Nationenpreis beim CHIO-Turnier in Aachen und die Berufung in den Perspektivkader der deutschen Dressurreiter.

Seit 2015 tritt Nadine Husenbeth bei den Senioren an. Die Erfolgserie hat sie fortgesetzt – mit Grand-Prix-Siegen und -Platzierungen wie etwa beim Nationenpreis im schwedischen Falsterbo, auf Turnieren in Frankfurt, Cappeln, Neumünster oder Wiesbaden. Die Krönung einer bis dato tadellosen Karriere war die Goldmedaille bei der ersten U25-Mannschafts-EM in Hagen am Teutoburger Wald im Juni 2016. „Ich wäre ohne Flroida nie soweit gekommen.“

Familie Husenbeth trainiert die Pferde selber. Die Herausforderung ist es dabei, ein Konzept zu finden, das zum Pferd passt. „Mit Flo haben wir dieses Konzept perfektioniert“, sagt Nadine Husenbeth. „Über Jahre ist sie sehr konstant gelaufen, hat mir jedes Mal auf einem Turnier ein Highlight geschenkt.“ Ein Wermutstropfen: Ende 2016 musste die junge Reiterin den Perspektivkader verlassen, weil Flo mit ihren 18 Jahren nicht mehr bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 starten könnte.

Der Star im Stall Husenbeth macht nun Platz für die Nachwuchspferde. Etwa für die Hannoveraner Stute Faviola, die bereits zu den weltweit besten fünfjährigen Dressurtalenten gehört. Das hat sie bei der WM der jungen Pferde Anfang August eindrucksvoll gezeigt. Neben dem täglichen Training der Pferde arbeitet die Masterabsolventin seit August am Lehrstuhl für nachhaltiges Management an der Universität Bremen. Für sie soll das Reiten ein professionelles Hobby bleiben, betont Nadine Husenbeth. Zu tun ist also genug.

Rentnerin Florida ist vielleicht bald in bester Gesellschaft: Sofern sich die beiden Pferde verstehen, soll Flo an der Seite von Piccolino auf der Koppel stehen. Der Wallach gewann 2002 bei der Dressur-WM unter Klaus Husenbeth Mannschaftsgold. Zunächst müssen sich die beiden Ruheständler aber erst mal über den Zaun beschnuppern.