Ein letztes Mal mit Willi Blue

Weserkurier 04.07.17
Anna-Katharina Piene wird zum Karriere-Ende ihres Dressurpferdes Dritte – nur Kim Brüning und Leonie Bramall erhalten mehr Punkte
Niedervieland.
Anna-Katharina Piene vom RFC Niedervieland hat beim heimischen Reit- und Springturnier einen würdigen Abschied mit ihrem 18 Jahre alten Hannoveraner Willi Blue gefeiert. Die 31-Jährige beanspruchte in beiden Dressurprüfungen der Klasse S jeweils den dritten Platz. „Das eigene Turnier bietet sich für die Verabschiedung eines Pferdes natürlich besonders an“, sagte die Delmenhorsterin.

Während an anderen Orten Turniere wegen des vielen Regens abgesagt werden mussten, trotzte der Ebbe- und Flutplatz an der Brookhuchtinger Landstraße den Wassermassen. „Auch wenn der Abreiteplatz ein bisschen tief ausfiel, so war der Prüfungsplatz selbst super“, versicherte Anna-Katharina Piene. Das Prüfungsgelände habe den Pferden einen festen Halt gegeben, so Piene. Sie hatte in der ersten S-Dressur des ersten von insgesamt drei Turniertagen ein ganz anderes Problem: Ein Hufeisen hatte sich kurz vor oder während der Prüfung gelöst.

„Das war mit Sicherheit nicht angenehm für mein Pferd. Dafür hat es seine Sache sehr gut gemacht“, betonte sie. Insgesamt 14 Jahre hatte die Außendienstmitarbeiterin in der Futtermittelindustrie an Turnieren mit Willi Blue teilgenommen. Sie wollte ihr Pferd lieber aus dem Turniersport zurückziehen, solange es noch bei guter Gesundheit ist. „Willi Blue hat sein großes Temperament heute im Zaum gehalten“, erklärte die Lokalmatadorin. Am Ende musste sie sich nur ihrer Klubkameradin Kim Brüning auf Feivel‘s World sowie Leonie Bramall vom RFV Isernhagen auf Queensland geschlagen geben. Leonie Bramall startete erstmals beim Turnier des RFC Niedervieland. „Familie Kind hat die Bodenverhältnisse hervorragend im Griff“, lobte die Kanadierin den Vereinsvorsitzenden und Präsidenten des Bremer Pferdesportverbandes, Walter Kind und dessen Angehörige. Bramall stellte in den beiden S-Dressuren ihren erst achtjährigen Oldenburger Queensland vor. „Queensland verfügt noch nicht über so viel Erfahrung und musste erst mit den Reflexionen auf den Wasserflächen kämpfen“, sagte die routinierte Dressurreiterin.

Weil auf einer Seite des Prüfungsplatzes mit viel Wasser alles „geplatscht“ habe, sei ihr Pferd zunächst damit beschäftigt gewesen, zur Ruhe zu kommen. „Unser Platz verträgt viel Wasser. Das Oberflächenwasser kann aber irgendwann nicht mehr abfließen und spritzt dann natürlich hoch“, sagte Walter Kind.

In guter Erinnerung wird Kim Brüning die Veranstaltung behalten. Die derzeit beste Dressurreiterin des RFC Niedervieland gewann auf Feivel‘s World die erste S-Dressur und belegte im anschließenden St. Georg Special hinter Leonie Bramall auf Queensland den zweiten Rang. „Mein Pferd war in der zweiten S-Prüfung schon ein bisschen müde, weil der erste Auftritt in diesem Matsch sehr viel Kraft gekostet hat“, ließ Brüning wissen. Für sie und ihren zehnjährigen Westfalen sei es ein Vorteil gewesen, vor heimischem Publikum anzutreten. „Feivel war sehr entspannt, weil er die Umgebung sehr gut kannte“, so die gerade 20 Jahre alt gewordene Sportlerin.

Es habe sich deshalb fast schon wie eine Trainingsrunde angefühlt. Vorher sei sie schon ein wenig skeptisch gewesen, sagte die Studentin der Medieninformatik. „Mein Pferd mag schließlich nicht so gerne Wasser“, verriet die Wallerin. Feivel‘s World habe sich von den Pfützen aber nicht beeinflussen lassen. „Er war von Anfang an sehr konzentriert und schön in der Anlehnung“, frohlockte Kim Brüning. In der kommenden Woche startet sie in der S-Dressur des RFV Hambergen. Da hat Anna-Katharina Piene Pause. Sie wird in den kommenden Monaten ein vierjähriges Nachwuchspferd in kleinen Aufbauprüfungen nach und nach an den Turniersport gewöhnen.

Hervorragend besetzt war beim Turnier des RFC Niedervieland auch das Zwei-Sterne-M-Springen mit Stechen am dritten Tag. Hier setzte sich Jürgen Schmitz vom RV Visbek auf Lennox ohne Abwurf im Stechen in 34,58 Sekunden gegen Stephan Dubsky vom RV Aller-Weser auf Palm Beach durch. Erfolgreiche Reiter wie Hans-Christoph Kühl vom RV Lilienthal auf Rouge de Lyon sowie Lola, Anna-Sophie Kosch auf Cento‘s Cruiser und Bryan White auf Conley (beide RC Rosenbusch Oberneuland) verpassten hingegen mit jeweils einem Abwurf den Sprung ins Stechen und gingen somit leer aus. Sieben Teilnehmer qualifizierten sich für die Zusatzrunde.

Hier verzeichnete Axel Bahn vom RFV Maasen-Sulingen auf Bahia zwar in 35,07 Sekunden die zweitschnellste Zeit, musste sich aber wegen eines Fehlers mit Rang vier begnügen. Direkt dahinter reihten sich Hannes Bösche vom RFV Nienburg auf Cara Calibra, Sina Dierking von der TG Poggenhagen auf Hylanderhof‘s Bahrain sowie Irina Dierks vom RV Heiligenrode auf C-You mit jeweils vier Strafpunkten im Stechen ein. Insgesamt starteten 26 Reiter mit ihren Pferden in der höchsten Springprüfung.