Trainieren wie die Großen

Weser-Kurier 2.3.2017
Laura Voigt

Beim Kadertraining der Bremer Springreiter gibt Nationalcoach
Heinrich-Hermann Engemann wertvolle Tipps in Bremen.Innerhalb einer Woche Lehrgänge in Dubai und München und am vergangenen Wochenende Kadertraining der Bremer Springreiter im Teufelsmoor – Heinrich-Hermann Engemann, Deutschlands Disziplintrainer im Springreiten, ist zweifellos ein gefragter Mann. „Bei seinem Erfahrungsschatz ist das kein Wunder“, freut sich Jens Belz, der Springsportbeauftragte des Pferdesportverbandes Bremen: „Einen derart hochkarätigen Trainer bekommt man nicht alle Tage.“ Engemann betreut sowohl die deutschen Championatsreiter als auch den B-Kader und ist zudem Bundestrainer des U25-Kaders.

Trotz seiner vielen Verpflichtungen war er der Einladung nach Bremen wieder gern gefolgt. Bereits das vierte Jahr in Folge trainierte der frühere Weltcupdritte die Reiter auf der Pferdesportanlage Lorenz. „Ich hatte ihn vor einigen Jahren auf einem Turnier in Damme einfach angesprochen, ob er für den Landesverband Bremen einen Lehrgang geben könne und er hatte spontan zugesagt“, erinnert sich Belz zurück. Dankbar ist der Verband ebenso für die Unterstützung der Familie Lorenz, da die Reiter auf der Anlage ideale Bedingungen vorfinden.

Durch Mikrofon und Lautsprecheranlage konnten auch die Zuschauer auf der Tribüne von den Tipps profitieren. Etwas mehr Resonanz hätte sich der Springbeauftragte gewünscht: „Schade, dass so wenige Ausbilder und Reiter diese einmalige Möglichkeit nutzen, ein paar Anregungen für das eigene Training aufzuschnappen.“ Die Teilnehmer ließen sich jedoch die Gelegenheit nicht entgehen, unter den Augen des Bundestrainers zu springen. Insgesamt sechs Gruppen waren eingeteilt mit Anforderungen von Klasse L bis S. Einige Reiter brachten gleich zwei Pferde mit, sodass die erste Stunde speziell jungen Pferden auf A-Niveau vorbehalten war. „Es waren ein paar vielversprechende Pferde dabei“, war auch Engemann angetan von der Qualität der Pferde.

Doch es zählte nicht nur „Höher, Breiter, Schneller“ in seinem Springtraining. Er ging auf Reiter und Pferd ein und erkundigte sich nach dem bisherigen Trainingsstand. „Höher machen wir jetzt nicht, auf die letzten fünf Zentimeter kommt es nicht mehr an“, beschloss der Trainer auch schon mal nach einer gelungenen Runde im Parcours. Vielmehr kommt es ihm auf die Feinabstimmung und durchdachtes Reiten an. „Das war nicht Fisch und nicht Fleisch“, bekommt der eine oder andere Reiter zu hören, wenn die Linie nicht wie geplant geritten wurde. Ratschläge aus seinem Erfahrungsschatz in Bezug auf Zäumung oder Gebisse sollen den Reitern auch zukünftig helfen.

Laura Voigt vom RFC Niedervieland zog ein positives Fazit aus dem Wochenende: „Manchmal denkt man, Herr Engemann bekommt nicht alles mit, aber er sieht alles.“ Ihren achtjährigen Wallach Classified Love besitzt sie erst seit einem halben Jahr. „Er war vorher schon in Springprüfungen der Klasse S*** platziert, aber wir müssen noch besser zusammenfinden“, hofft sie auf eine gemeinsame erfolgreiche Zukunft im S-Springen.

Am Samstag war der Parcours noch etwas einfacher. „Mehr einzelne Hindernisse und wenig Distanzen“, erklärte die Amazone. Am Sonntag hingegen erwartete die Reiter ein schon recht anspruchsvoller Parcours mit einer dreifachen Kombination und vielen Distanzen auf gebogener Linie. Die Tipps von Engemann will Laura Voigt auf jeden Fall beherzigen: „Ich soll den Galopp in den Wendungen noch konsequenter weiter reiten und nach dem Sprung wieder schneller im Sattel sitzen für bessere Kontrolle und Balance.“

Auch Profireiter wie Hergen, Marten und Esther Forkert nahmen an dem Lehrgang teil. „Für die Bremer Reiter ist das eine tolle Sache, solch einen namhaften Trainer vor Ort zu haben“, bekräftigte Hergen Forkert. „Wir treffen Heiner öfter auf Turnieren und tauschen uns dort aus, daher ist das für uns jetzt vielleicht nicht so aufregend wie für die jüngeren Reiter.“ Für seine turniererfahrenen Pferde hätte er sich etwas mehr Gymnastizierung gewünscht statt reinem Parcourstraining. „Aber auch wir nehmen immer wieder gern ein paar Anregungen mit aus dem Training bei ihm“, betrachtete Forkert es als hilfreiche Vorbereitung auf die Turniersaison. In Kürze steht noch ein eintägiges Turnier auf der Reitanlage von Ludger Beerbaum in Riesenbeck an, bevor es dann Mitte März bei den Löwenclassics in Braunschweig an den Start geht.

Positiv beurteilte Hergen Forkert den Unterrichtsstil Engemanns: „Er versucht nicht, jedem Reiter sein Schema aufzudrücken und alles komplett umzukrempeln, sondern hilft, die jeweilige Art zu verbessern.“ Der Bundestrainer selbst war sehr zufrieden mit dem Verlauf des Lehrgangs: „Über die letzten vier Jahre ist bei einigen jungen Reitern eine erfreuliche Entwicklung zu beobachten, das macht wirklich Spaß.“ Mit den Lehrgängen ist für ihn in den nächsten Wochen erst einmal Schluss, die Betreuung der Kaderreiter für die Turniere in Dortmund und Braunschweig steht nun im Vordergrund.

Für den Springbeauftragten Jens Belz war es nun der letzte Kaderlehrgang, den er unter seine Fittiche nahm. Nach 14 Jahren wird er sein Amt im April niederlegen. „Für einen kleinen Landesverband wie Bremen sind wir im Nachwuchsbereich recht gut aufgestellt und versuchen, die Reiter bestmöglich zu unterstützen“, erläuterte Belz. Für den Springnachwuchs ab Klasse E werden auf den Reitanlagen der Vereine Lehrgänge mit Landestrainer Claus Thiele durchgeführt. So können Talente schon frühzeitig gesichtet und gefördert werden.

Ein paar Anregungen hat er für seinen Nachfolger auch gleich parat: „Ein Lehrgang im November vor dem Jugendturnier in Verden wäre wünschenswert.“ Und die Dressurreiter haben mit dem Kiddie Cup, dem Bremer Jugendteam Cup und dem Bremer Dressurcup attraktive Turnierserien, die im Springbereich derzeit noch fehlen. „Leider fehlen uns hierfür die Sponsoren“, gibt Belz noch einen Wink mit dem Zaunpfahl.

„Es waren ein paar vielversprechende Pferde dabei.“
Heinrich-HermannEngemann